Krematoriumsleichenschau

Die Krematoriumsleichenschau wurde im Jahr 1934 in Deutschland eingeführt; eine Amtsperson sollte sich vor der Einäscherung noch einmal vergewissern, dass keine Anhaltspunkte für ein nichtnatürliches Geschehen übersehen worden waren.
Im Gegensatz zur klassischen Leichenschau fordert der der Staat eine Qualifikation des Leichenschauers.
Die Krematoriumsleichenschau dient ausschließlich forensischen Fragestellungen.

Bis auf den Freistaat Bayern und die Freie Hansestadt Bremen halten alle Bundesländer noch an dieser Regelung fest. Mehrere Analysen von jeweils mehreren 10.000 Krematoriumsleichenschauen waren in Bezug auf die Effektivität dieser Maßnahme sehr ernüchternd. Erkannte Tötungen liegen deutlich unter der 0,1-Promille-Grenze, wobei jeweils vermerkt wurde, dass bei einer gründlichen ersten Leichenschau der Sachverhalt hätte bereits entdeckt werden müssen. Zutage geförderte Unfälle oder Spättodesfälle nach medizinischen Eingriffen werden im Regelfall nicht durch die Leichenschau, sondern durch die damit verbundene Totenscheinkontrolle erkannt.

Fazit:

Die Krematoriumsleichenschau fördert fast nichts zutage, was nicht auch durch eine sorgfältige erste Leichenschau hätte entdeckt werden können. Damit stehen Aufwand und Erfolg in einem krassen Missverhältnis.


Warum ist das so?

  • Der Krematoriumsarzt sieht den Leichnam frühestens mehrere Tage nach dem Todeseintritt, meist aber deutlich später – manchmal erst nach Wochen. Fortgeschrittene Leichenveränderungen erschweren dann die Befunderhebung oder machen sie weitgehend unmöglich.
  • Wenig aussagekräftige Angaben auf den Todesbescheinigungen gestatten dem Krematoriumsarzt nur selten, sich das erforderliche Bild von dem Todesfall zu machen. Kaum oder gar nicht zu lesende Eintragungen sind keine Seltenheit.
  • Rücksprachen mit dem den Totenschein ausstellenden Arzt sind fast immer sehr zeitaufwendig oder auch gar nicht möglich: der Arzt ist z.Z. dringend beschäftigt oder hat seinen freien Tag, er kommt erst zur Spätschicht, ist im Urlaub oder die Sprechstunde öffnet erst wieder am späten Nachmittag usw..
  • Hat ein Notdienst die Todesbescheinigung ausgestellt, erfährt man von der Zentrale, dass der Dienstplan des jeweiligen Tages nicht mehr greifbar ist, etc..
  • Korpulente Menschen können in engen Särgen nicht oder kaum gedreht werden – ein ständig zunehmendes Problem.

 

Die Krematoriumsleichenschau ist eine weitgehend uneffektive Maßnahme mit überwiegendem Symbolgehalt. Sinnvoll wäre diese Maßnahme, wenn sie zeitnah zum Todeseitritt erfolgen würde (siehe Perspektivisches).

Beginnende oder auch fortgeschrittene Leichenveränderungen erschweren regelmäßig die Leichenschau

 


 

Die Anzahl übergewichtiger Personen, die kremiert werden, nimmt deutlich zu. Eine Reihe von älteren Krematorien können die übergroßen Särge in ihren Anlagen nicht verbrennen.

Für die Leichenschau ergibt sich das Problem, dass diese Verstorbenen innerhalb eines Sarges nicht gedreht und damit nicht ordnungsgemäß angeschaut werden können.

 


 

Durchliegegeschwüre finden sich relativ häufig. Sie sind meist nicht im Leichenschauschein vermerkt. Überwiegend handelt es sich um Pflegefehler – aber nicht immer. Ist ein solcher Befund nicht dokumentiert, sollte in jedem Fall abgeklärt werden, warum er sich nicht vermeiden ließ bzw. ob die Pflegemaßnahmen den geltenden Standards entsprachen.

Gibt es den geringsten Verdacht, dass das Durchliegegeschwür zum Tode beigetragen hat – beispielsweise im Rahmen einer Infektion – ist in jedem Fall die Polizei einzuschalten, um eine Schuld durch Unterlassen auszuschließen.