Postmortale Hitzeschäden

Ähnlich wie bei Wasserleichen beherrschen auch bei Brandleichen Veränderungen das Bild, die erst nach dem Tode entstanden sind. Sie beruhen auf einer

  • direkten Brandzehrung und der
  • Bildung von Wasserdampf

Alle Körperflüssigkeiten werden durch Hitze in ihre Dampfphase überführt. Das führt zur Hitzefixation und temporären Aufblähung, die Organe vertrocknen. Jenseits der Verdampfung folgen hitzebedingte Schrumpfungen:

Schrumpfung der Haut:

Verletzungen „wandern“  auf das Zentrum der Brandeinwirkung zu.

Hitzerisse der Haut (durch Verdampfung des Unterhautfettgewebes):

sie imponieren meist als gradlinig und glattrandig und dürfen nicht mit vitalen Schnittverletzungen verwechselt werden. Ein Aufplatzen der Bauchhöhle ist möglich.

Aufquellen der Lippen, Vortreten der Zunge:

durch Verdampfung des Gewebswassers

Fechterstellung :

hitzebedingte Beugekontraktur mit Schrumpfung von Muskeln und Sehnen.

Brandhämatom :

Epidurale Ansammlung von ziegelrotem/bräunlichem, bröcklig-trockenem oder lehmartigem Blut. Ursache ist die Verdrängung des im Knochen vorhandenen Blutes nach einer Schrumpfung und Ablösung der harten Hirnhaut mit Venenrupturen.

Hitzeschusslöcher:

Ausbildung von lochähnlichen Defekten im Schädel durch Verdampfung des Hirngewebes und des Liquors bei erhöhter Brüchigkeit der Knochen durch den hitzebedingten Verlust ihrer organischen Substanzen.

Hitzebrüche von Röhrenknochen:

durch Verdampfung des Knochenmarkes.
Der Schrumpfungskoeffizient bei Knochen liegt bei etwa 10%.

Branddauer

  • eine Leiche brennt nicht selbst
  • bei definierten Temperaturen kommt es zu einer progressiven Brandzehrung (Rückschluss auf Branddauer möglich)
  • in modernen Krematoriumsöfen ist eine nahezu vollständige Aufzehrung in 1-2 Stunden erreicht.

Kriminalistische Fragen:

Geriet der Verstorbene zu Lebzeiten ins Feuer oder war er zum Zeitpunkt der Hitzeeinwirkung bereits verstorben?