Einführung

Wird der Hals mittels der Hände (Würgen), der Unterarme (Carotid sleeper, Schwitzkasten) oder mit Hilfe von Strangulationswerkzeugen (Erhängen, Erdrosseln) komprimiert, so führt dies durch das Zusammenpressen von Halsgefäßen und/oder des Luftleitungssystems zu einer Verminderung der Sauerstoffversorgung des Gehirns und schließlich zum Tod. Je nachdem, ob durch die Kompression primär die Gefäße oder aber das Luftleitungssystem oder aber welche Gefäße in welcher Intensität betroffen sind, zeigen sich am Geschädigten ganz unterschiedliche Befunde, aus denen der Sachverständige Rückschlüsse über den Vorgang ziehen kann.

Um das Verständnis für die verschiedenartigen Befunde in Folge unterschiedlicher Kompressionsmechanismen zu fördern, sollen die anatomischen Verhältnisse noch einmal rekapituliert werden.

 

Die Sauerstoffversorgung des Gehirns erfolgt über vier Gefäße, die beiden links und rechts vorne seitlich lokalisierten Halsschlagadern und die tiefer und geschützt liegenden deutlich kleiner lumigen Nackenschlagadern. Zur Herbeiführung des Todes genügt es, die beiden Halsschlagadern zu komprimieren; die Nackenarterien sind für sich nicht in der Lage, den Sauerstoffbedarf des Gehirnes hinreichend zu decken.

Die das verbrauchte Blut vom Gehirn zurück zum Herzen führenden Venen liegen oberflächlicher als die das Gehirn mit sauerstoffreichem Blut versorgenden Arterien. Für den Strangulationsvorgang bedeutet dies, dass zunächst der Blutabfluss aus dem Kopf unterbunden wird und erst im zweiten Schritt die Blutzufuhr. Erfolgen beide Vorgänge deutlich zeitlich versetzt oder aber wird zwar der Blutabfluss, nicht aber der Blutzufluss vollständig gedrosselt, kommt es oberhalb der Kompression zu Stauungszeichen. Dies ist immer dann zu erwarten, wenn entweder im Rahmen der Strangulation die Nackenarterien nicht verschlossen wurden oder aber nur eine geringe Kompressionswirkung erzielt wurde.

Die Abbildung zeigt einen Halswirbelkörper in der Draufsicht. Sie veranschaulicht den
geschützten Verlauf der Nackenarterien innerhalb des knöchernen Wirbelkörpers.
 
Die Abbildungen zeigen die Halswirbelsäule von rechts und von vorne. Die Stellen, an
denen eine Kompression der Nackenarterien überhaupt möglich ist, sind markiert.
 

Während die Bewußtlosigkeit beim Verschluß der Halsschlagadern sofort oder sehr schnell eintritt, bedeutet der alleinige Verschluß der Luftwege einen qualvollen Überlebenskampf.