Liebe Kolleginnen und Kollegen,

willkommen zu unserem E-Learningprogramm „qualifizierte Leichenschau".

Der Ruf nach der Verbesserung unseres Leichenschausystems ist nahezu so alt, wie das Leichenschausystem selbst. Seine Schwächen treten in regelmäßigen Abständen zu Tage; der „Todespfleger“ Niels Högel legte seine Insuffizienz mit über 100 unbemerkten Tötungen in erschreckender Weise für jedermann offen.

Die Ärztekammern fordern seit Jahrzehnten eine bessere Weiterbildung für die Ärzte – bislang ohne durchgreifenden Erfolg. Es gibt zu wenig kompetente Ausbilder, keine einheitlichen Ausbildungspläne und keine abgestimmten Prüfungen. Jede Kammer engagiert sich nach ihren Möglichkeiten und Arbeitsschwerpunkten. Es ist sicher nicht übertrieben, wenn man von einem weitgehend ineffektiven Wildwuchs spricht, der der Wichtigkeit der Thematik nicht gerecht wird.

Das Interdisziplinäre Fachforum Rechtsmedizin, das sich seit vielen Jahren der Problematiken Leichenschau und Weiterbildung annimmt, hat eine Lösung in Form einer Online-Akademie angeregt. Das löst das Problem der fehlenden qualifizierten manpower im Aus- und Weiterbildungsbereich und garantiert ländereinheitliche Ausbildungs- und Prüfungsstandards bei hoher Flexibilität und vollständiger Transparenz.

Das Ergebnis liegt vor, ich möchte es ihnen nachfolgend vorstellen:

Bei der Online-Akademie handelt es sich um ein Selbststudium im Rahmen eines Ihnen zur Verfügung gestellten Weiterbildungsplanes. Als Ausbildungsmaterial dient der „Großer Atlas der Gerichtsmedizin“. Sie finden ihn im Internet unter www.forensic-atlas.de. Mit der verbindlichen Anmeldung zur Fortbildung erwerben Sie automatisch ein einjähriges Nutzungsrecht.

Da ihre Studieninhalte rund um die Uhr und letztendlich an jedem Ort aus dem Internet abrufbar sind, können sie das Studium völlig flexibel gestalten.

Studienschwerpunkte sind:

  • Die Durchführung der Leichenschau
  • Grundlagen der Todeszeitbestimmung
  • Frühe und späte Leichenveränderungen
  • Rechtsmedizinische Grundlagen zur Erkennung forensisch relevanter Befunde am Leichnam
  • Rechtsfragen
  • Die Todesbescheinigung/der Leichenschauschein : Meldepflichten und die Regeln der ICD

Eine hohe Praxisnähe wird durch mehrere Tausend Farbfotos, Zeichnungen und Grafiken erreicht.

Fühlen sie sich in den Themen weitgehend sicher, können sie sich einer Prüfung unterziehen; diese ist in vier Themenkomplexe aufgeteilt:

  • Leichenschau,
  • Leichenschauschein und ICD,
  • Rechtsfragen und Meldepflichten,
  • rechtsmedizinische Grundlagen und Todeszeitbestimmung.

Sie haben einen Prüfungskomplex bestanden, wenn sie mindestens 80% der Fragen in einem vorgegebenen Zeitfenster richtig beantwortet haben. Die Prüfung können sie beliebig oft wiederholen.

Bei bestandener Prüfung können sie sich darüber ein entsprechendes Zertifikat ausdrucken lassen, in dem ihnen vertiefte Kenntnisse in der Leichenschau bestätigt werden.

Wir sind im Gespräch mit den Ärztekammern über eine Anerkennung diese Weiterbildung durch die Standesvertretung. Bis dahin hat unser Zertifikat keinen offiziellen Charakter.

Das Zertifikat gilt unbegrenzt, solange sie jährlich ihr Wissen im Rahmen einer kurzen Fortbildung auffrischen und auf den neuesten Stand bringen. Die Fortbildung belegen sie im Rahmen einer Prüfung – alles per E-Learning.

Sollte ihre Lizenz wegen fehlender Fortbildungsaktivitäten ruhen, wird sie mit der Absolvierung der jährlichen Fortbildung automatisch wieder aktiviert. Ebenso verlängert sich das Nutzungsrecht für den Atlas um ein Jahr.

Die Prüfungsunterlagen werden für zwei Jahre aufgehoben, so dass über die Prüfungsergebnisse eine vollständige Transparenz herzustellen ist.

 

 

Schwerin, im Oktober 2019                                   Prof. Dr. Michael Birkholz